Autor Thema: Re: was bringt eine Carboneinlage ?  (Gelesen 1487 mal)

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Re: was bringt eine Carboneinlage ?
« am: Mai 15, 2020, 05:23:32 Nachmittag »
Bei den Wapiti-Boegen meint der Bogenbauer, dass bei seinem Design Carbon etwa 5 fps bei den Langboegen bringt.
Bei den Recurves bringt es seiner Aussage nach nichts.
Keiner dieser Boegen ist fuer Carbon designed. Vielmehr wird eine Lage Carbon unter dem Glas verwendet, also Teile des dickeren und schwereren Fiberglases durch leichteres und steiferes Carbon ersetzt.
Eine zusaetzliche Carboneinlage, z.B. im Zentrum des Wurfarmes bringt keinen messbaren Speedgewinn, denn meist ist Carbon nicht leichter als das Corematerial.
Ein anders Beispiel sind die Centaur Langboegen:
Diese werden mit Glas und/oder Carbon gebaut. Glass (Fiberglas), Chimera (Zugseite Carbon, Druckseite Glas) und Carbon Elite (Zug und Druckseite Carbon).
Der Centaur war schon mit Glas schnell, denn er war eines der Ergebnisse der 200 fps mit 10gpp Challenge (siehen Pirates of Archery).
D.h., die Form ist immer noch entscheidend. Das Carbon ist leichter und deshalb ist da m.E. vielleicht 10 fps mit Vollcarbon rauszuholen.
Ich wuerde mal bei Jim anfragen, denn der wird da bestimmt Messdaten haben. 
« Letzte Änderung: Mai 16, 2020, 10:43:28 Nachmittag von Wolverine »

Wolverine

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Re: Re: Performancegewinn durch Carboneinlage?
« Antwort #1 am: Mai 15, 2020, 06:38:36 Nachmittag »
beim ACS verhält es sich ähnlich, die  CX Wurfarme mit doppelter Carboneinlage ( Zug- und Druckseite ) sind geringfügig schneller als die GX Wurfarme

da ich beide Bögen mein Eigen nenne kann ich sagen, dass man beide Bögen nicht miteinander vergleichen kann.
Warum ?  nun das liegt an der anderen Wurfarmausformung des ACS, ich kann beide Bögen empfehlen, jeder hat für sich das gewisse Etwas.
« Letzte Änderung: Mai 15, 2020, 06:44:27 Nachmittag von Wolverine »
Bögen von Bavarian Longbow, Black Widow, A&H Archery, Centaur, World Class (Wapiti) Bows, Morrison, Sovereign Archery, R.Weick, L.Hinge, Martin Archery, ILF Toxocraft Riser+Uukha VX1000 Wurfarme

Karhu

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Re: was bringt eine Carboneinlage ?
« Antwort #2 am: Mai 18, 2020, 01:15:58 Nachmittag »
So ist es. Carbon ermöglicht andere Möglichkeiten (konkave Wurfarme beim A&H, mehr Reflex und extremere Geometrien wie z. B. bei Border und Morrison usw.), es verbessert aber keinen bereits bestehenden Bogen mit normalen Geometrie, bzw wenn dann nur im Bereich von 1-2%.
Aber solange so viele Mythen gestreut werden (wie "15fps schneller") damit man durchschnittliche Bögen weitaus teuerer verkaufen kann wird keiner die Wahrheit tolerieren/akzeptieren.

Waldgeist

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Re: was bringt eine Carboneinlage ?
« Antwort #3 am: Mai 18, 2020, 01:27:37 Nachmittag »
Na klar, wenn ein Bogen eine andere Architektur erhält ist natürlich auch ein anderes Resultat möglich. Man darf nur "gleiches mit gleichem" vergleichen. Alles, was ich zu dem Thema bisher an Auskünften und Informationen heraus gefunden habe läuft in der Tat darauf hinaus, dass eine Carboneinlage zunächst nur für einen höheren Verkaufspreis sorgt. Da sind schnell schon mal 100 bis 200 Euronen mehr fällig.  >:(
Ich denke mal, dass ich bei meiner bisherigen Linie bleiben werde; d.h. alle meine Langbögen inkl. Hybriden habe ich mir ohne Carboneinlage - wohl aber mit Glas - bauen lassen.
„Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!“
 Cicero

Greenie

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Re: was bringt eine Carboneinlage ?
« Antwort #4 am: Mai 18, 2020, 02:47:28 Nachmittag »
Ich bin Bogenbaulaie und habe von der Materie wirklich kaum bis gar keine Ahnung. Aber ich habe ein 100% Carbon Setup beim technischen Bogen und ein TD mit Carbon Sichteinlage.
Meine Gründe waren aber nicht das ich z.B. an Performance gewinnen wollte, was ich auch nicht glaube ist, daß das mit Carbon wirklich so ist, sondern ich wollte einen schönen weichen Auszug. Ds war mein primärer Grund.
Ein weiterer Aspekt des Carbons ist die Verwindungssteifigkeit, die in jedem Fall gegeben ist. Zumindest bei den Vollcarbon WA´s.

Karhu

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Re: was bringt eine Carboneinlage ?
« Antwort #5 am: Mai 23, 2020, 08:10:46 Vormittag »
Der Hauptgrund für einen weichen Auszug ist aber wiederum die Geometrie des Wurfarms. Mit dem sehr häufig verwendeten minderwertigen Bearpaw Glas-Pseudo-UD-Carbon z.B. macht man den Auszug sogar härter, ansonsten bringt es nix.

Waldgeist

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Re: was bringt eine Carboneinlage ?
« Antwort #6 am: Mai 23, 2020, 06:34:27 Nachmittag »
Ausgehend von der Ausgangsfragestellung
"Gibt es Untersuchungen und Erkenntnisse  - ggf. auch persönliche Wahrnehmungen - zum Performancegewinn von Bögen oder genauer Wurfarmen eines identischen Bogens (vor allem in punkto Zugstärke nach AMO)
a. glasbelegt, jedoch ohne Carboneinlage    zu
b. glasbelegt und zusätzlicher Carboneinlage   ?
"
komme ich zu dem (Zwischen)Ergebnis, dass die bloße Einbringung einer Einlage aus Carbon nicht zwingend zu einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit eines Bogens führt. Insofern werde ich noch sehr überlegen, ob ich tatsächlich unter dieser Erkenntnis  bereit bin einen entsprechenden Mehrpreis zu entrichten.
Auf jeden Fall mein Dank an eure Beiträge!
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 Cicero

Christian Büttner

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Re: was bringt eine Carboneinlage ?
« Antwort #7 am: September 10, 2022, 11:18:00 Vormittag »
Hallo zusammen,
das Thema ist zwar schon älter, aber ich bin gerade erst darauf gestoßen, nachdem ich seit dem Forenumzug nicht mehr bei FA war.
Waldgeists Frage kann ich eindeutig beantworten.
Ich baue selbst seit zehn Jahren Bögen, die ich mit Glas belege. Vorher habe ich überwiegend Bodnik-Bögen geschossen, die ich damals ganz toll fand und alles was von Bodnik kam war "natürlich" suuuuper. Und alles was auf deren Homepage verklickert wurde war für mich die Wahrheit ::)
Irgendwann hats mich aber gejuckt und ich wollte es selbst ausprobieren. Glücklicherweise hielt der erste Bogen sofort und bis heute, sonst hätte ich es vielleicht auch wieder drangegeben.
Das Design meines zweiten Bogens war ein Hit und ich habe diesen Bogen, ein 62"-Hybrid mittlerweile sechs Mal gebaut; mit und ohne Stabilcore.
Für den Hybrid bringt es so ziemlich gar nichts an Speed.
Ich habe zwei Modelle mit in etwa gleicher Stack-Stärke hier. Beide 45#@29", der eine hat nen Kern aus Bambus mit Stabilcore, der Andere nur aus Bambus. Außerdem habe ich noch den gleichen Bogen mit einem Kern aus Bambus und Kirsche als Mittellage; 50#@29".
Beide 45er liefern mit gleichem SetUp (Whisperstring, Kuhfellauflage und 30"-Holzpfeile bei knappen 9gpp) auch ähnliche Geschwindigkeiten (>180fps). für den 50er kann ich auch Holzpfeile mit 8,5gpp bauen, der ist also auch etwas flotter. Alle lassen sich wunderbar weich und gleichförmig bis 30" ziehen.
Das Wesentliche hierbei ist aber, dass der Stabilcore-Bogen sich mit seinen 45# eher anfühlt, wie der 50'er ohne Stabilcore. Zudem wird der Bogen, im Vergleich zu dem anderen 45er etwas lauter.
Seither habe ich das Zeug nicht wieder in Hybriden oder LB verbaut.
Bei Recurves baue ich es noch ein, weil ich meine mir einzubilden, dass die Recurves dann tatsächlich seitlich weniger ausweichen. DAs ist aber natürlich auch immer von Tiller abhängig, bzw. von meinen Fähigkeiten.
LG
Christian