Autor Thema: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend  (Gelesen 2567 mal)

0815

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #45 am: Oktober 21, 2021, 06:43:18 Nachmittag »
Haerte hilft nur bedingt. Das Problem bei Holz ist, dass es ein anisotropes Material ist. Es wird deshalb immer schwieriger sein als ein anisotropes Material und viel anfaelliger fuer Fehler in den Lastanahmen. Die Druckfestigkeit von Holz ist auch eher selten ein Problem, ausser bei soliden Holzwaenden (mass timber). Die "neue gruene" Holzwelle wird sich ganz schnell als kurzlebiger Fehler erweisen.

AndrewS

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #46 am: Oktober 21, 2021, 07:58:41 Nachmittag »
es scheint auch Varianten für schussfeste Kleidung etc. zu geben...

AndrewS

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #47 am: Oktober 22, 2021, 10:44:56 Vormittag »
Haerte hilft nur bedingt. Das Problem bei Holz ist, dass es ein anisotropes Material ist. Es wird deshalb immer schwieriger sein als ein anisotropes Material und viel anfaelliger fuer Fehler in den Lastanahmen. Die Druckfestigkeit von Holz ist auch eher selten ein Problem, ausser bei soliden Holzwaenden (mass timber). Die "neue gruene" Holzwelle wird sich ganz schnell als kurzlebiger Fehler erweisen.

Irgendwie versteh ich den Unterschied nicht...

Wenn ich das richtig verstanden haben, werden durch die verschiedenen Verfahren (Wärmebehandlung, Ausschwemmen von Lignin und Hemicellulose mit anschliessendem verdichten,...) die anisotropen Eigenschaften verändert / vermindert, oder?

0815

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #48 am: Oktober 23, 2021, 02:13:02 Vormittag »
Wenn die Haerte verbessert wird, dann entspricht dies der Druckfestigkeit. Ob die in allen Achsen verbessert wird kann angenommen werden, wurde aber nicht beschrieben. Ob die Zugfestigkeit mit der Methode verbessert wird, bleibt mal dahingestellt.
In USA wo die das erforscht haben, ist Holz der Baustoff Nummer 1. In Deutschland ist das eher Beton/Ziegel.
Probleme treten bei Holz immer dann auf, wenn es in die Hoehe gehen soll, z.B. fuer Mehrfamilienhaeusern in der Stadt.
Dabei entsteht das Problem, dass die Druckfestigkeit von Holz 90 grad zur Faser zu gering ist, um die Druckkraefte aufzunehmen. Die Kompression wird dann zu einem Verformungsproblem. Um diese hochbelasteten Waende zu verbessern, forschen die wohl an solchen Projekten.
Es geht darum, moeglichst guenstig Wohnraum zu schaffen. Je billiger man das gestalten kann, je hoeher die Mieten sind, je mehr Profit macht man und je schneller ist das Gebaeude amortisiert.   

AndrewS

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #49 am: Oktober 23, 2021, 08:22:05 Nachmittag »
In dem Artikel war erstmal nur von Messern und Nägeln die Rede.. .nicht vom Hochhausbau.

Mit Facinglaminat meinte ich ein Laminat für die Bauchseite - also dort wo es auf die Druckbelastung ankommt - Für das Backing würde ich dann  Bambus, Hickory oder ähnlichds nehmen. Da wären dann theoretisch laminierte Bögen aus Lindenholz und Bambus statt Ipe/ Bambus möglich - ist doch eine interessante Vorstellung. Zumindest finde ich das interessanter als immer neue  GFK und CFK Derivate für den modernen Bogenbau....

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #50 am: Oktober 25, 2021, 09:53:27 Vormittag »
Das Verfahren wird die Masse erhoehen und es damit fuer den Bogenbau unpraktisch machen.

AndrewS

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #51 am: Oktober 25, 2021, 10:10:55 Vormittag »
Wieso? Glaslaminate sind doch auch deutlich schwerer als Holz in der gleichen Dimensionierung....

Wenn man was herausnimmt (Lignin, Hemicellulose) und dann das ganze presst und trocknet, dann dürfte es nicht mehr Masse haben. Es wird dünner / scnmäler (weniger Volumen) bei gleichzeitig einer vielfachen Druckfestigkeit (bis 23-fach).  Die Dimensionierung würde sich verändern - dünneres Laminat mit besseren Eigenschaften (der Bogen als Endprodukt dürfte auch dünner werden).
Das Tränken in Öl für die Wasserfestigkeit würde ja auch wegfallen, damit es noch laminiert werden kann.

Bis man sowas im freien Handel für den Bogenbau bekommt, wird sowieso noch viel Wasser irgendwelche Flüsse entlang laufen. Das ist das einfache Härten mit Hitze (egal ob Kohlefeuer oder HLP) doch noch lange das Mittel der Wahl, wenn man Holzbögen (echte HB ohne jegliche Plaste aussen herum) tunen möchte.
Interessant ist das Verfahren trotzdem, denn es zeigt, dass in Naturstoffen doch mehr steckt, als wir bislang wissen....



0815

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #52 am: Oktober 25, 2021, 07:23:51 Nachmittag »
Also wenn ich das Lignin chemisch entferne und dann mechanisch presse, dann ist da nicht mehr ein Naturmaterial.
Genausowenig wie Dymondwood oder Actionwood....
 

AndrewS

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #53 am: Oktober 25, 2021, 09:17:46 Nachmittag »
Da kann man durchaus geteilter Meinung drüber sein...... so ähnlich wie beim Bier gebraut nach dem dt. Reinheitsgebot. In der Bierherstellung kommen teilweise bis zu 60 unterschiedlichste Stoffe zum Einsatz, die aber später im Endprodukt nicht mehr enthalten sind aber in der industriellen Bierherstellung im Prozess nützlich sind.

Bei dem Holz wird mithilfe eines Stoffes etwas herausgelöst, der Stoff wird ausgespült / ausgewaschen (mit Wasser) und hinterher wird mit Druck getrocknet (Heisse schwere Steinplatten könnten diesen Job evt. gut erledigen - sie sind schwer und halten die Hitze lange).
Das ist schon noch anders als wenn ich dem Holz irgenwelche Kunstharze beigebe, die auch noch nach dem Prozess vorhanden sind....

Mir ging es zum Einen darum aufzuzeigen, was Holz als Ausgangsmaterial möglich ist,  im Sinne von Feuer weitertragen und nicht die Asche aufbewahren und zum Anderen wiederlege ich gerne deine hochtrabenden Argumente - hier geht es nicht um Bauholz, es wird nicht zu schwer sein und etwas fast rückstandsfrei herauslösen ist anders als etwas dazufügen genauso wie Druck von aussen anders ist als eine Vakuumkammer.
Irgendwie scheint mir, wenn etwas nicht auf deinem Mist gewachsen ist / bzw. aus deinem Erfahrungsumfeld stammt, taugt das alles nichts.
Für mich sieht anregender Erfahrungsaustausch anders aus.

Mal ne andere Frage zum Ursprungsthema: Hast du schon mal einen Weissholzbogen in der von dir aufgeführten Art behandelt?.  Hast du damit Schußvergleiche gemacht? Hast du schlechtere Erfahrungen mit Heissluftgetemperten Bögen gemacht? - oder bist du nur von dem Video und der Theorie drumherum angetan?

Ich für meinen Teil tempere seit ca. 2004 alle meine  Bögen unterschiedlich nach eigenem Ermessen mit der Heissluftpistole. Die Hitzehärtung ist top.Ergebnisse waren alle dabei von nix passiert, über TOP = signifikante Verbesserungen bis hin zu schwarzen Staves oder komplett mit Längsrissen durchzogenen Wurfarmen und Griffbereichen.

Auf jeden Fall werde ich mich in Zukunft hier aus  solchen Themen wie Selbstbau und dementsprenchende Erfahrungen hier im Forum  herausnehmen.
Für Fragen bin ich per pm zu erreichen.

 

Pflaumuskrücke

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #54 am: Oktober 25, 2021, 09:44:37 Nachmittag »
Danke für den Exkurs AndrewS, das war/ist sehr spannend und lehrreich.


ravenheart

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Re: Feuergehaertete Weissholzboegen: Die Performance ist beindruckend
« Antwort #55 am: Januar 05, 2022, 04:22:20 Nachmittag »
Ich habe auch schon Holzbogen mit Feuer behandelt...

...allerdings nur die, die baulich misslungen sind.  8)

Dafür ist mir auch noch kein Bogen gebrochen. Gebrochene getemperte habe ich schon viele gesehen.
Ich habe auch schon mit meinen Bogen neben getemperten geschossen. Besser als meine trafen die auch nicht.

Tempern kann die Leistung eines Bogens erhöhen. Die Lebensdauer nicht.

Das heißt für mich: Kann gut gehen - muss aber nicht. Kann man machen - muss man nicht.
 ;)

Rabe