Autor Thema: Bogenbau mit einfachsten Mitteln  (Gelesen 113 mal)

AndrewS

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Bogenbau mit einfachsten Mitteln
« am: Mai 10, 2021, 12:01:30 Nachmittag »
Ausgehend von Bild 1 (einer echten Notsituation  ;))
wollte ich ein paar Anregungen geben, wie mit einfachsten Mitteln / einfachem Werkzeug ein Bogen gebaut werden kann.
Es ist im Grund genauso einfach wie mit den Worten:
"Man nehme einen Baumstamm und eine Axt und entferne mit der Axt alles vom Baum was nicht wie ein Bogen aussieht".
Im ersten Video ein alter Beitrag, der in der Sendung mit der Maus lief. Da ist sogar das Werkzeug aus Stein...
https://m.youtube.com/watch?v=fX7PyULwJFI


Im zweiten Video das Vorgehen mit modernerem Werkzeug aus Stahl. Das Vorgehen unterscheidet sich kaum.
Im zweiten Video wird noch die Schnelltrocknung über einem offenem Feuer (Glut in diesem Fall) gezeigt, die es sogar ermöglicht innerhalb eines Tages vom frisch gefällten Baum zum fertigen Bogen zu kommen:
https://m.youtube.com/watch?v=b9I8cUuRqMQ

Die beiden Beschreibungen sind als Anregung gedacht und haben keinen Anspruch auf Absolutheit, Vollkommenheit und alleinige Gültigkeit.

Wer von Euch hat sowas schon mal probiert bzw. findet diese Herangehensweise genauso faszinierend wie ich?

Ich bin gerade dabei auf ähnliche Art und Weise ein paar Kinderbögen aus ca. daumendicken (wenn der Daumen nicht dick genug ist, einfach mit dem Hammer nachhelfen, dann passt das schon 8)) Schößlingen von Hasel etc. für Nachbarskinder zu machen.

« Letzte Änderung: Mai 10, 2021, 12:11:41 Nachmittag von AndrewS »

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Re: Bogenbau mit einfachsten Mitteln
« Antwort #1 am: Mai 10, 2021, 06:11:19 Nachmittag »
https://youtu.be/TGRtIFHNAXs

Ich wuerde das mal genauso machen wie die Jungs hier, allerdings den Bogen etwas breiter mit Hasel. Der Hickorybogen wurde ca. auf 16mm runtergearbeitet bevor er auf die Form gespannt wurde. M.E. kann man da bestimmt drei Kinderboegen auf eine Form spannen.
Die Feuergrube ist ca. 20cm tief. Die Betonbloecke sind ca. 40cm hoch als Staender fuer die Form.
Normale Grillbrickets, die Hitze wird mit der Hand kontrolliert (das haetten die Voegel auch mit dem Thermometer machen koennen). Wenn Wasserdampf aus dem Ende kommt, dann muss man die Form etwas hoeher haengen, da es dann zu heiss ist.
Der Bogenrohling auf der Form wird ca. 4.5 Stunden getrocknet, dann rund 30-45min feuergehaertet.
Ach ja, Keith scheint die Messermacher Schleifgurte zu verwenden. Wahrscheinlich so Koernung 20 oder 40. Ich wette das geht mit dem Elektrohobel schneller?
Ich wuerde fuer Kinderboegen trotzdem nichts unter 5 oder 6cm Durchmesser an Rohmaterial nehmen, wenn sie dauerhaft sein sollen.
Sonst kommt man sehr schnell in den poroesen Kernbereich.
Fuer die Kinderboegen wuerde ich die Dicke von vornherein auf 12-13mm herabsetzen und die Trockenzeit um 45 min verkuerzen und die Haertung auf 30min begrenzen.

AndrewS

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Re: Bogenbau mit einfachsten Mitteln
« Antwort #2 am: Mai 11, 2021, 09:44:52 Vormittag »
Viele Wege führen nach Rom.
Ich trage bei den frischen Schösslingen immer Holz ab, bis ich den Markkanal im Kern weghabe (ausser im Griffbereich). Bei nem 30mm Schössling habe ich dann 30mm Breite und ca. 15mm Dicke. Bei Schösslingen ist der Kernbereich wenig ausgeprägt und selten porös. Gerade bei Hasel klappt das gut.
Für Kinder  bis 10 / 12 Jahre bekommt man damit schon was ordentliches hin - gerade wenn man noch tempert.
Ich lasse das Holz immer ca. 1 Monat auf ner Bohle festgezurrt trocknen und mache dann die Endbearbeitung (Wurfarme in Dicke und Breite noch fertig tapern und Biegung harmonisieren).
Insgesamt komme ich da auf nicht mal 2h Arbeit (1h vor dem Trocknen und 1h nach dem Trocknen).

Bei Bögen für große Kinder nehme ich auch dickere Schößlinge (50 -60mm Durchmesser) und lasse die vorbereiteten Staves dann etwas länger trocknen (bis ca. 3 Monate).

Beim frischen Holz kommt man mit Axt, Hippe, ZIehmesser und Schabhobel sehr schnell zum Ziel.
Beim getrockneten brauche ich dann nur noch Schabhobel, Ziehklinge und Schleifkrams (feine Hobelraspel, Schleifpapier).
Ich habe da auch schon mal nen Turboschleifer genommen (Flex mit Fächerscheibe). Das macht mir aber zuviel Staub 8).
Je nachdem, wie sich der Rohling verhält und wie er sich gibt, kommt zwischendrin noch ne Heissluftbehandlung* dazu.

Ähnlich einfach und schnell habe ich für Kinder auch schon Bambusbögen gebaut. Dazu ne Bambuslatte ca. 4cm breit (gespalten aus nem Rohr mit ca 15cm+ Durchmesser)  genommen. Mit dem Hobel (hier meist E-Hobel) abgeflacht. Breitentaper mit nem Schabhobel. Auf die ca. 6-7mm dicke Latte dann noch ein Stück Hickory oder Ulme als Griff geleimt** und anschließend den flachgehobelten Rücken des Bogen ( Innenseite des Bambus) mit nem Leinen- oder Seidenbacking*** versehen. Griff und Backing sind mit Ponal oder Bindan Holzleim aufgeleimt. Backing wird während des Aufleimens mit einem moderat eingestellten Bügeleisen geglättet.....
Man bekommt so Bögen um 130 /140 Länge hin, die bei 24 bis 26 Zoll Auszug ca. 15 bis knapp über 20 lbs haben. Das Stoffbacking bietet sich für kreative Bemalungen an.
Wenn man möchte, kann man mit wenig heißer Luft den Bambus noch in andere Formen bringen als einfach nur gerade (das aber bitte bevor man den Stoff als Backing aufleimt). Bei so dünnem Bambus braucht man z.B. für Recurves unter 10min pro Seite....

* Für die Hitzebehandlung (zum Formen und Härten) kann heiße Luft aus der HLP genommen werden, oder auch ein Kohlebett a la Beckum und ich habe schon Leute gesehen, die es mit nem Gasbrenner ( Lötpistole) machen.

**Der Griff wird auch auf die flache Innenseite des Bambus geleimt unter dem Stoffbacking!

*** Ich nehme lieber Seide, da der Seidenstoff, den ich dafür habe, deutlich dünner ist als der Leinenstoff - es gibt aber bestimmt auch dünnen bis sehr dünnen Leinenstoff.

Hier noch zwei Videos, wo Haselkinderbögen gebaut, bzw. vorgestellt werden.Ausserdem gibt es  von dem User "Adamusminor"  viele YT-Vids speziell zum Bogenbau aus Hasel.

https://youtu.be/gnISVjlJ07g

https://youtu.be/2cEBCw697W4




« Letzte Änderung: Mai 11, 2021, 10:40:04 Vormittag von AndrewS »

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Re: Bogenbau mit einfachsten Mitteln
« Antwort #3 am: Mai 11, 2021, 06:38:57 Nachmittag »
Im Endeffekt ist die erzwungene Trocknung genauso effektiv wie das lange "Lufttrocknen".
Zusaetzlich kriegt man da noch Reflex rein, also weniger Spannungungen bei Vollauszug, was weniger Holz=leichtere Wurfarme bedeutet.
Abgesehen vom Wassergewicht.
 

AndrewS

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Re: Bogenbau mit einfachsten Mitteln
« Antwort #4 am: Mai 11, 2021, 08:29:15 Nachmittag »
ja, stimmt und das räumt endlich mit dem Mythos auf, dass kammergetrocknetes Holz deutlich weniger zum Bogenbau geeignet ist im Vergleich zu jahrelang luftgetrockneten Holzstaves  (vielleicht trift das auf Eibe zu aber eben nicht auf viele, viele andere Hölzer).

Für mich ist das Lufttrocknen indoor mit fertig gerichteten Rohlingen deutlich einfacher - es fällt ein aktiver Arbeitsschritt weg und Kinder lernen Geduld im Umgang mit Naturmaterialien.

Es gibr auch bei jeder Trockenart problematische Holzsorten - sie bekommen Risse, wenn ihnen irgendwas im Prozess nicht passt....Goldregen z.B. habe ich noch nie rissfrei trocken bekommen.