Autor Thema: Schütze und Bogen - wer passt sich an wen an?  (Gelesen 181 mal)

0815

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Re: Schütze und Bogen - wer passt sich an wen an?
« Antwort #15 am: Juli 28, 2020, 05:40:33 Nachmittag »
Beim Enkel eines meiner Freunde haben wir das so aehnlich gemacht. Ziel war es, ihn mit 8 Jahren auf die Bogenjagd mitzunehmen.
Da er sehr kraeftig war, war ein legales Zuggewicht kein Problem. Aber ein kurzer Auszug von rund 21" bei normalem Anker im Mundwinkel  war nicht optimal.
Vor allem bei einem Schuss vom Hochstand, wo das sich nochmal etwas verkuerzt beim Schuss nach unten.
Wir haben dann koreanische Technik mit mediterraner Technik gemixt mit einem koreanischen Bogen.
Also, normale 3 Finger mit Handschuh, welches gute Kontrolle ueber den Pfeil gibt. Offenerer Stand wie im traditionellen koreanischen Schiessen.
Anker mit Zeigefinger am Ohrlaeppchen, welches eine gute Rueckenspannung und eine deutlich verlaengerten Auszug ergab.
Hat fuer 2 IBO World Titel gereicht.
Inzwischen ist er so gewachsen, dass er normal am Mundwinkel ankern kann und auf 28" Auszug kommt. Er schiesst jetszt einen chinesischen Ming Bogen.
Immer noch ueber den Handruecken wie den Koreaner auch. Was man zuerst lernt, zieht man eventuall spaeter vor.

AndrewS

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Re: Schütze und Bogen - wer passt sich an wen an?
« Antwort #16 am: Juli 28, 2020, 06:40:08 Nachmittag »
Ich sehe das auch so, dass man erst mal schauen sollte, wie ein Anfänger hantiert (ihn sozusagen dort abholt wo er gerade ist). Dann kann man coachen, dass er sich weiter entwickelt - entweder in die von ihm ursprüngliche Richtung (also seinem Naturell entsprechend) oder in alternative Richtungen. Ob das jetzt hin zum olympischen Schießen ist oder auch in einem Hybrid Stil mündet, so wie 0815 es beschrieben hat, dass kann man im Vorfeld nicht sagen und das hängt im wesentlichen vom Trainer und dessen Feingefühl ab.

Als ich beispielsweise mit Mitte 20 wieder Interesse am Bogenschiessen hatte, habe ich ne Darstellung auf nem Mittelaltermarkt gesehen, wo alle Schützen mit sowas wie englischen Langbögen hantiert haben - das fand ich interessant und spannend, denn mein "Kinderbogen" war mir von meinem Opa auch aus einem dickeren Ast Schlehdorn geschnitzt  worden.
Als ich ein Wochenende später beim Tag der offenen Tür mal bei einem sehr aktiven FITA Verein in der Region vorbeischaute und dort auch mal probieren wollte, war mein Interesse durch den Instructor dort fast wieder auf Null gesunken.... das ging garnicht!!!
Wenn ich nicht einen Tag später bei dem Mittelalter Bogenhändler meinen ersten Bogen (ein ELB von Richard Head mit knapp 40lbs bei 28") gekauft hätte (incl. einem Satz Pfeile) und er mir eine Kurzunterweisung (Als Basics: Stand, Auszug bis zum Ankerpunkt und mediterranes Release) in dem Steinbruch hinter seinem Haus gab, hätte ich wahrscheinlich nicht wieder mit dem Bogenschiessen begonnen.

In dem FITA Verein in dem ich danach dann trainierte gab es zum Glück sehr wenige Trainingsdogmatiker und auch einige traditionelle Schützen, von denen ich ne Menge gelernt habe...

0815

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Re: Schütze und Bogen - wer passt sich an wen an?
« Antwort #17 am: Juli 28, 2020, 11:36:29 Nachmittag »
Im Grunde genommen braucht man heutzutage keinen Verein mehr, um das Bogenschiessen zu lernen.
In vielen Faellen ist ein Verein hilfreich, da die Infrastruktur (Scheiben, Platz) schon vorhanden sind.
Ender der 80er Jahre haben wir immer ausserhalb der Ortschaft auf der Wiese mit Compound gegen eine Erdberme geschossen. Ziele waren mit Zeitung gefuellte Tetrapacks.
Der steinige Boden hat da Pfeilopfer gefordert, aber funktioniert hat es ok.
Fast alle notwendigen Resourcen sind als DVD oder im Netz erhaeltlich und zusaetzlich gibt es noch diverse Foren.
In welche Richtung man sich dann entwickelt, ist bei jedem neuen Schuetzen komplett unterschiedlich.
Von 10 Neuen bleiben meist immer nur 2 langfristig dem Bogen verschrieben.
Und es haengt sehr stark von der individuellen Interessenlage ab, fuer welchen Bogen man sich interessiert.
Da kann ein Film oder historische Perspektive ausschlaggebend sein....
« Letzte Änderung: Juli 29, 2020, 05:21:57 Nachmittag von 0815 »

AndrewS

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Re: Schütze und Bogen - wer passt sich an wen an?
« Antwort #18 am: Juli 29, 2020, 10:35:11 Vormittag »
Es kommt in den Vereinen immer auf die Zielrichtung, die Strukturen und die Verantwortlichen an.
Je nachdem auf was bzw. wen man dort trifft, macht ein Verein schon Sinn (siehe auch mein Beispiel von Verein A, der mich beim Tag der offenen Tür durch den Trainer abschreckte, versus Verein B, wo mir keiner der Verantwortlichen vorschreiben und erzählen wollte, wie ich es "richtig" zu machen habe, sondern ich bekam hilfreiche Tips, um das System Schütze/Bogen zu verstehen).
Ich würde mir so eine offene Herangehensweise bei mehr Vereinen wünschen, denn in meinen Augen wird das Bogenschiessen dadurch noch attraktiver...